Gedanken zum 12. Mai

Natürlich ist nur einmal im Jahr am 12. Mai Internationaler CFS-Tag. Möglichkeiten, über CFS zu informierenund aktiv zu werden, gibt es jedoch das ganze Jahr. Schließlich hat jeder seinen Kreis von Menschen, die er trifft, vielleicht einen Verein, eine Gesprächsgruppe, die er besucht, Ärzte und Geschäfte.

Eine gute Möglichkeit ist z.B., einem Apotheker oder Reformhaus Informationen über CFS zu geben. Apotheken und Reformhäuser können als "Multiplikatoren" dienen, indem sie ihre Information wieder an Kunden weitergeben.

In den letzten Jahren, besonders zu Beginn, dachte ich "Ja! Heute ist 12. Mai!" Als dann alles "normal" lief und ich merkte, dass die Welt sich weiter dreht, war ich anfangs schon ein bißchen enttäuscht. Ich realisierte jedoch ziemlich schnell, dass der 12. Mai nicht dadurch an Leben gewinnt wenn man ruft: "Heute ist 12. Mai". Jedesmal, wenn ich selbst etwas getan oder andere dazu angestachelt hatte, war 12. Mai. Manchmal ist es auch einfach gut, etwas versucht zu haben.

Zusammen mit meinem Mann, Cor Scherjon, habe ich vor zwei Jahren in einigen Apotheken und Geschäften in Stuttgart und Gerlingen Informationen überreicht. Ein paar der Geschäfte erklärten sich bereit CFS-Poster aufzuhängen. In dem einen oder anderen Geschäft kam eine Reaktion, die man als merkwürdig beschreiben kann oder es gab einfach kein Interesse. Das hat uns nicht vom Weitermachen abgehalten!

Immer wieder höre ich von anderen CFS-Betroffenen und besonders von MCS-Betroffenen, dass die Situation in Amerika viel besser sei. Es sei also nur noch eine Frage der Zeit, bis sich hier die Lage auch verbessere. Sicherlich, es dauert Zeit bis Verständnis wächst, bis Gesetze geändert werden usw. Jedoch reicht es nicht abzuwarten. Damit das Verständnis für CFS-Betroffene und auch für MCS-Betroffene wächst, brauchen wir Menschen, die an die Öffentlichkeit gehen, kleinere und größere Aufklärungsaktionen machen, sich engagieren. Außerdem nützt es mir auch nicht, wenn in 10 Jahren die Situation besser ist. Ich empfinde es als wenig tröstlichen Gedanken, weil ich jetzt gesundheitliche Probleme und jetzt mit geringem Verständnis und Diskriminierung zu kämpfen habe. Es ist gut, wenn ich selbst etwas bewege. Gleichzeitig trete ich aus der Passivität heraus

Mai 2001